Das Auge des Herrn mästet das Vieh
Für eine nachhaltige und tiergerechte Landwirtschaft tragen nach Ansicht des kirchlichen Agrarexperten Karl-Heinz Friebe Hersteller und Verbraucher Verantwortung. Nötig sei eine neue Solidarität zwischen Konsumenten und Produzenten, sagte der Referent für das Fachgebiet Kirchlicher Dienst auf dem Lande der hannoverschen Landeskirche zum Start der Grünen Woche in Berlin im epd-Gespräch.
Die Frage sei, ob Landwirte mit dem Argument der Nachfrage alles auf den Markt schieben und Verbraucher immer nur das billigste Produkt verlangen können. „Wir dürfen nicht vergessen, dass mit landwirtschaftlichen Produkten auch Geld verdient werden muss“, sagte Friebe. Der evangelische Pastor hält unter anderem den Kontakt zu Landwirten, Großproduzenten, Politik und Verbänden.
Eine große Herausforderung in der Landwirtschaft seien derzeit tierethische Fragen, sagte Friebe mit Blick auf die Skandale in Hähnchenmastbetrieben vor allem in Niedersachsen. Doch auch in größeren Ställen müsse ein Tier in Würde leben können. Zudem müsse die Gesellschaft ihr Verhältnis zu den Landwirten überdenken. Viele Bauern hätten das Gefühl, mit dem Rücken zur Wand zu stehen. Im Moment habe er das Gefühl, dass wegen der Skandale alle Landwirte verdächtigt werden.
Friebe achtet beim Fleischkonsum nach eigenen Angaben darauf, wie das Fleisch produziert wird. „Natürlich esse ich noch Hähnchen, Geflügel und anderes Fleisch“, sagt er. Auf dem Speiseplan stehe auch Selbstgeschlachtetes. Der Pastor lebt mit seiner Frau auf einem Bauernhof und hält 50 Heidschnucken.
Bei der Grünen Woche vom 20. bis zum 29. Januar sind die großen christlichen Kirchen mit einem gemeinsamen Stand vertreten. Am Sonnabend, 21. Januar, findet ein „LandKirchenTag“ statt, der mit einer Andacht eröffnet wurde. Mitgefeiert hat unter anderem der hannoversche Landesbischof Ralf Meister.
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