Geschichte

Zentrum der Börde mit mehr als 20 Dörfern

Bei uns steht die Kirche mitten im Dorf - das können die Selsinger mit Fug und Recht behaupten. Die nach einem mitteralterlichen Märtyrer benannte St. Lamberti-Kirche steht in der Mitte von Selsingen. 

Dass am Platz der heutigen Kirche schon lange ein Gotteshaus stand, zeigt der Kirchturm. Die ersten Christen in Selsingen gab es schon vor dem Jahr 900. Die Grundmauern des Turms, die vielleicht schon aus dem 11. Jh. stammen, stehen noch. Im Inneren des Eingangs ist ein riesiger Findling zu sehen, der möglicherweise Teil einer alten germanischen Kultstätte war, die von der Kirche verdrängt wurde.

Das Äußere des Turms aus alten Feldsteinen und neuen Backsteinen wirkt zusammengeflickt und legt so Zeugnís von einer bewegten Geschichte ab. Ein schönes Zeichen dafür, dass sich auch im Leben der Gemeinde Altes mit Neuem verbindet und dass das Neue immer auf dem Alten aufbaut.

Innerhalb des Turms befindet sich der älteste bewegliche Gegenstand der Kirche: die Lambertusglocke. Sie wurde 1469 von Hinrich Klinghe gegossen. Die anderen vier Glocken stammen aus den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts. Die heutige St.-Lamberti-Kirche stammt aus dem Jahr 1725. Die Feldsteinkirche wurde auf dem Platz, an dem vorher eine kleinere Kirche stand, neu gebaut, weil die alte Kirche zu klein geworden war. Eine Tafel hinter dem Altar beschreibt in schlcihten Worten den Bau und die Renovierungen.

Ihr heutiges helles und freundliches Äußeres verdankt sie einer Renovierung aus dem Jahr 1992. Die charakteristische Feldsteinansicht blieb erhalten. Große und kleine Natursteine bilden dabei ein Ganzes, so, wie auch unsere Kirche aus großen und kleinen Menschen besteht, die alle gebraucht werden - sonst kann sie nicht bestehen. Von der langen Geschichte der Kirche zeugt auch der alte Kirchhof, durch den man gehen muss, um in die Kirche zu gelangen. Die ältesten Grabsteine, die sich in der Nähe des Nordeinganges befinden, reichen bis ins 17. Jh. zurück, die jüngsten Steine und Kreuze stammen aus den letzten Jahrzehnten des 19. Jh. 1984 wurde der neue Friedhof in der Bahnhofstraße in Betrieb genommen. Der helle und schlichte Innenraum unserer Kirche lädt Sie zum stillen Verweilen ein. 1991 wurde die letzte aufwendige Renovierung abgeschlossen. Nicht immer ist der Innenraum unserer Kirche so strahlend gewesen. Etliche dunklere Anstriche hat es gegeben. Insbesondere die Decke war in den Jahren 1927 bis 1962 mit neun großflächigen Bildern bedeckt, die bei einer Verputzung verlorengingen.Durch helle Farbgebung kommen nun die wesentlichen Elemente des Kircheninneren erst richtig zur Geltung.

Wort und Sakrament gehören seit der Reformation eng zusammen. Der Kanzelaltar will das deutlich machen. Er zieht den Blick auf sich. Er ist ursprünglich nicht für unsere Kirche geschaffen worden. Als die Stader St.-Pankratius-Gemeinde aufgelöst wurde, kaufte der Selsinger Kirchenvorstand um 1725 dieses Kunstwerk für seine neue Kirche.

Aus dem Jahre 1642 stammt die Arbeit eines unbekannten Meisters. Der späte Renaissancestil zeigt schon überquellende barocke Anklänge. Über dem schlichten Altartisch, von dem die Schranken erst 1962 entfernt wurden, erhebt sich die Rückwand mit den Abendsmahlworten auf zwei Tafeln. Darüber schwebt die Kanzel mit der geometrischen Grundform eines Siebenecks als Hinweis auf die sieben Gaben des Geistes Gottes, die man zum Predigen braucht (Jes. 11.2).

Die Kanzel trägt im vorderen Teil das Wappen derer zu Zesterfleth, die im Nachbardorf Ober Ochtenhausen ihren Stammsitz hatten. Wahrscheinlich war diese Familie bei der Vermittlung von Stade an die Selsinger Gemeinde beteiligt. Den Abschluss bildet die Krone auf dem Schalldeckel mit der einzigen Vollplastik des Werkes: Christus, der die Weltkugel trägt und mit der Rechten die Gemeinde im Kirchenschiff segnet.

Auch die Bronzetaufe kommt aus der Stader Pankratius-Kirche. Der mächtige Wasserkessel wurde vom Glockengeißermeister Goeteke Klinghe im Jahre 1498 geschaffen. Auf der Inschrift am oberen Rand ruft er vier Nothelferinnen an, die um den Segen Gottes für sein Werk bitten sollen. Am besten suchen Sie zuerst das Hauptbild: Jesus mit einem Lendenschutz bekleidet, bis zu den Knien im Jordanwasser stehend wird von Johannes, dem Täufer getauft. Rechts davon hält ein Engel das Gewand Jesu. Die heilige Anna mit ihrer Tochter Maria und Jesukind bilden das Gegenüber zur Taufe. Hebt man den Kupferdeckel der Taufe ab, so findet man einen schweren Holzdeckel über dem Kessel. Schon zur Zeit der Enstehung dieses Kunstwerkes wurden die Kinder nicht mehr ganz untergetaucht. Wir stellen heute eine silberne Taufschale auf den Holzdeckel.

Der Reichtum einer Kirchengemeinde sind ihre Mitglieder. Die reichsten Stunden im Leben einer Gemeinde sind die Stunden, in denen man gemeinsam vor Gott feiert.

Selsingen ist eine Gottesdienstgemeinde. Die sonn- und feiertäglichen Gottesdienste, die immer noch von vielen Gemeindemitgliedern besucht werden, zeichnen sich durch eine reiche Liturgie aus, ohne sich gegen neuere Entwicklungen zu sperren. Einmal im Monat wird im Gottesdienst Abendmahl gefeiert, allerdings nicht in der Form, wie es auf dem 100 Jahre alten Bild zu sehen ist.