Worte verändern die Welt
Redakteurinnen und Redakteure der „Evangelischen Zeitung“ über ihre „besonderen Wörter“
Manche Worte bleiben ein Leben im Gedächtnis haften. Häufig sind es Begriffe, die man mit der eigenen Kindheit verbindet und als altertümlich aussortierte oder die ganz in Vergessenheit geraten sind. Bisweilen bleiben sie ein persönlicher Schatz. Hier lesen Sie, welche Lieblingswörter die Redakteurinnen und Redakteure der „Evangelischen Zeitung“ haben.
Michael Eberstein: „Unwirsch“ (mürrisch, verdrossen) ist ein herrlich altmodisches Wort, das so gut zu vielen heutigen Zeitgenossen passt. Aber wieso stellt eigentlich die Vorsilbe „Un-“ das Wort in den Gegensatz zu „wirsch“ (ärgerlich, unerfreulich)?
Sabine Dörfel: „Anmut“ ist ein Wort, das außer in altmodischen Feuilletonkritiken fast nicht mehr verwendet wird. Sicher kein Zufall, denn dieser von Goethe so schön bezeichnete „Gleichschritt von Geist und Körper“ passt nicht in unsere Ellbogengesellschaft.
Kerstin Kempermann: „Kneipchen“ wird in Hessen anstatt des doch eher nüchternen Wortes „Schälmesser“ gesagt. Ich habe dieses Wort in meiner Kindheit gelernt und nutze es auch heute noch. Auch auf die Gefahr hin, nicht verstanden zu werden.
Björn Schlüter: „Zuckpuck“ – Zugegeben, in einem Wörterbuch wird man Zuckpuck nicht finden. Und doch ist dieses Wort für mich Synonym für „Schnuller“ seit ich denken kann. Als Kind konnte ich sogar sagen, wo mein Zuckpuck meistens war… „wegbummelt!“
Charlotte Morgenthal: „Maloche“ (jiddisch „Meisterstück“) ist mit langem O ein Urbegriff des Ruhrgebiets und bedeutet körperlich harte Arbeit, etwa „unter Tage“. Im „da hasse den ganzen Tach malooocht“ steckt der ganze Stolz, etwas geschafft zu haben.
Ingrid Wehking: „Om(m)a-Café“ – seit meiner Kindheit verbinde ich mit diesem Wort Kaffeeduft, leckeren Kuchen und Gemütlichkeit. Für mich und meine Familie sind Städtereisen nur dann gelungen, wenn wir in der jeweiligen Stadt auch ein Om(m)a-Café gefunden haben.
Jochen Rudolphsen: „Ginnungagap“ – schon als Kind faszinierte mich sein Klang – bezeichnet in der Edda die Schlucht, den leeren Raum zwischen dem eisigen Nordland und dem feuerglühenden Land im Süden – und ist für mich ein schöner Name für das Nichts.
Simone Viere: Mit allem „Pipapo” wird in meiner Familie gerne verwendet, um ein besonders gutes Essen, einen gelungenen Urlaub oder eine tolle Feier „mit allem Drum und Dran” zu beschreiben. Ich finde dieses Wort ist ein wunderbares Kleinod unserer Sprache.
Maren Warnecke: Sehnsucht ist für mich eines dieser kaum greifbaren, magischen Worte. Sehnsucht ist wie ein Ziehen im Herzen, auf eine gute Art, und wie ein Kokon, der sich langsam im Magen entfaltet und von innen wärmt.
Carsten Splitt: Das Wort „Spenglerschraube“ kannte ich nicht, bis ich versuchte das Dach meines Bauwagens abzudichten. Dank dieser Schraube mit Erfolg. Das Wort erinnert mich seitdem an ein schönes Wochenende und die Kunst des Spengler-Handwerks.
Petra Döllefeld: „Quatschkopf“ unterscheidet sich von meinen anderen Lieblingswörter (Freiheit, Hoffnung etc.) durch seine Unbeschwertheit. Für mich ein Kosewort: ausschließlich für Menschen gedacht, die ich mag, gerade durch ihre Fähigkeit zum Quatsch.
Annika Jacobsen: „Reliefpfeiler” ist das längste deutsche Ein-Wort Palindrom. Es liest sich vorwärts wie rückwärts gleich und zeigt mir damit, dass nicht nur ein Pilaster kunstvoll sein kann, sondern auch das Wort, das ihn in deutscher Übersetzung beschreibt.
Dana Fritz: „wispern”! Meine schönste Vorstellung: Wenn ein Tagedieb in Räuberzivil neben mir durch die Nacht flaniert und nach vergeblicher Liebesmüh’ wispert: „Ach hätt’ ich doch, ach könnt’ ich doch.” Ich würd’ ihn gar nicht hören, denn wispern geht nur leise.
Sven Kriszio: Knoblauch ist eines meiner Lieblingswörter – unbedingt magisch, aber leider recht ambivalent. Denn während ich zwangsläufig an einen kulinarischen Hochgenuss denke, stößt das Wort bei meinen Kollegen auf teils heftige Ablehnung.
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