Sonder-Kontakt Nr. 4

Nachricht Selsingen, 01. April 2020

Liebe Leserin, lieber Leser,

und dann kommt es doch anders als man denkt: In der letzten Woche habe ich auf der Terrasse im Sonnenschein einen Kaffee getrunken und bin mit Sonnenbrille spazieren gegangen. Und über Nacht kam er dann doch noch – der Schnee. Unsere Kirche sieht aus wie leicht gezuckert und das Foto scheint eher aus dem Januar oder Februar zu stammen. Dieses Durcheinander wirkt wie eine Einleitung in den April, der heute beginnt und ja bekanntlich macht, was er will.

Gut, dass es Dinge gibt, die in diesen Zeiten bleiben, wie sie bisher waren. Das Durcheinander in der Welt, die Sorgen um Gesundheit und Zukunft erzeugen ein Durcheinander in unseren Köpfen und Herzen. Was können wir tun, wenn es auf einmal nicht mehr möglich ist, der Arbeit und dem Tagesablauf nachzugehen, wie wir es gewohnt sind? Wie leben wir uns ein in einen neuen, fremden Alltag? Wie wachsen wir da hinein?

Auf unserem Nachbargrundstück entsteht ein neues Haus. Natürlich geht damit auch die Umgestaltung des Gartens einher, alles wird gründlich aufgeräumt und alter Wildwuchs entfernt. Und so entdeckten wir, dass sämtliche Pflanzen unserer Hecke eigentlich auf der anderen Seite der Grenze standen. Auf unserer Seite waren nur noch einzelne Triebe zu sehen. „Das kann ja nun nicht so bleiben!“, das war klar. Also hieß es: Triebe schnell heraus, damit etwas Neues gepflanzt werden kann, los geht’s! Nach einigen Spatenstichen kommt schon die Ernüchterung. Das ist ja eine schweißtreibende Anlegenheit und geht sicherlich gar nicht mal eben schnell! Die Triebe wachsen aus dicken Wurzeln tief aus der Erde empor. Diese Wurzeln haben sich über Jahrzehnte verzweigt und sind immer mehr mit dem Erdreich verwachsen. Sie sind äußerst widerstandsfähig und haben schon Frost, Hitze und Schädlingen getrotzt, sie sind sehr beständig und stabil.

In der Bibel ist die Wurzel einer Pflanze ein beliebtes Bild, denn in ihr liegt der Ursprung von Kraft und Lebendigkeit. Das lesen wir zum Beispiel in Psalm 80: Israel ist der von Gott gepflanzte Weinstock, der aufgrund seiner guten Verwurzelung das Land erfüllt. Nicht nur das fest Verwurzeltsein im Boden zeichnet die Stabilität aus, sondern auch die Fähigkeit der Wasseraufnahme. So vergleicht der Prophet Jeremia den, der auf Gott vertraut, mit einem am Wasser gepflanzten Baum, dessen Wurzeln zum Bach hin ausgestreckt sind.

Unsere Wurzeln geben uns Halt. Auf unsere Lebensgeschichte zurückzublicken lässt uns erkennen, wo wir Stürmen bereits standgehalten haben. Welche Situationen fallen Ihnen dazu ein, die Sie erfolgreich gemeistert haben?

Gute Nahrung für unsere Wurzeln ist Selbst-Annahme, Gemeinschaft und Beziehung zu Gott. Die Beziehung zu uns selbst kann uns Nahrung sein, wenn wir daran denken, dass wir von Gott begabt sind und uns selbst gnädig anschauen dürfen, weil Gott es auch tut. Wir können und müssen nicht perfekt sein. Die Beziehungen untereinander stärken uns, wenn wir in diesen Tagen ein Zeichen voneinander bekommen: Ich denke an dich, ich möchte wissen, wie es dir geht, du bist wichtig für mich. Ein Zeichen der Nächstenliebe. In der Beziehung zu Gott dürfen wir Kraft schöpfen, weil wir wissen, dass Jesus in die Krisen des Lebens hineingekommen ist, alles verändert und aus dem Ende einen Neuanfang gemacht hat.

Wir leben in anderen Zeiten. Und in all dem, was die Menschen mit aller Härte trifft, gibt es Grund zur Hoffnung und zum Vertrauen. „Denn siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr's denn nicht? Ich mache einen Weg in der Wüste und Wasserströme in der Einöde“ (Jesaja 43,19). Gott hat schon einmal bewiesen: In einer besonderen Nacht ist Neues geworden. Gott ist mit uns, jeden Tag, jede Stunde, jede Sekunde. In Sorge, in Langeweile, in Freude.

Gebet - Liturgie vom Händewaschen

Gott,

wenn ich heute

meine Hände wasche,

wasche die Angst

aus meinem Herzen,

wasche die Sorge

aus meinem Kopf,

wasche die tödliche Bedrohung aus der Welt,

wasche alle mit deiner Hoffnung,

die es brauchen,

und wasche mich

mit deiner Liebe,

wenn ich dich suche.

(Maria Herrmann)

Segen

Mögest du weitergehen,

Gerechtigkeit säen,

wunderbare Träume nähren,

sanfte Weisheit ernten.

Mögen Geduld und Leidenschaft

dein Samenkorn sein.

Gott möge deine Hände

mit seinen Gaben füllen.

Dankbarkeit und Mut mögen

in deinem Herzen wohnen.

So segne dich der dreieinige Gott,

der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

Amen.

 

Ideen gegen die Langeweile

  • Säen Sie leckere Kräuter aus. Einen Mini-Kräutergarten können Sie sich aus einer Milchpackung selber basteln. Erleben Sie, wie köstlich Gottes Schöpfung ist! https://www.ndr.de/ratgeber/garten/Mini-Gewaechshaus-selbst-basteln,aussaat146.html
  • Schreiben Sie eine Postkarte an eine Person, die so nah bei Ihnen wohnt, dass Sie ihr/ihm sonst nicht schreiben würden. Wenn Sie mögen, gestalten Sie die Vorderseite der Postkarte selbst – mit einer Zeichung, einem Spruch oder hübschen Glanzbildern.
  • Was ist Ihr Lieblingsrezept? Tauschen Sie mit einem Nachbarn/einer Nachbarin Rezepte aus, kochen oder backen das Rezept der/s anderen nach und erzählen einander, wie es Ihnen gefallen hat.
  • Lesen Sie Ihr Lieblingsbuch noch einmal. Schreiben Sie 10 Gründe auf, weshalb es Ihr Lieblingsbuch ist. Legen Sie die Liste in das Buch. Bei Gelegenheit können Sie jemandem die Lektüre ans Herz legen.
  • Vielleicht denken Sie an Menschen, von denen Sie lange nichts mehr gehört haben. Legen Sie sich eine Liste an und rufen Sie diese Personen an – an jedem zweiten Tag einer Woche eine Person.
  • Wenn es etwas wärmer ist: Gehen Sie die ersten Schritte barfuß im Gras und genießen Sie den Moment in Gottes Schöpfung – die kitzelnden Grashalme, die kühle und weiche Erde. Sagen Sie Gott Dank.

Gemeinsames Gebet

Und wir laden weiter zum gemeinsamen Beten ein. Die Kirchturmglocken rufen abends um 18 Uhr zum Gebet. Wir beten für Menschen in unserer Nähe und in der ganzen Welt, für Kranke an Leib und Seele, für alle Betroffenen – werden Sie Teil dieser Gebete.

Sonder-Kontakt zum Hören

Unter der Telefonnummer 04284-5149988 finden Sie den Sonder-Kontakt zum Anhören. Bitte sagen Sie diese Nummer weiter an Menschen, die nicht mehr gut sehen können!

Herzliche Grüße,

Diakonin Sarina Alpers

Sarina Alpers
Tel.: 04284 396