Sonder-Kontakt Nr. 12

Nachricht Selsingen, 16. Mai 2020

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

an unserer Kirche liegen bemalte Steine. Viele Meter lang ist ein schönes Kunstwerk neben dem anderen zu finden. Es macht Freude, sich die verschiedenen Bilder und Botschaften anzusehen. Ich stelle mir vor, wie die Künstlerin oder der Künstler zu Hause einen Stein auswählt, sich die Form genau anschaut, mit den Fingern die Oberfläche betastet und so eine Idee dafür entwickelt, wie der Stein einmal aussehen könnte. Dann holt er oder sie die Pinsel und Farben, Glitzerstaub, Stifte und Klarlack herbei und macht sich liebevoll ans Werk.

Wenn der Stein fertig ist, dann ist es sicherlich nicht ganz leicht, sich von dem kleinen Schatz zu trennen – und doch ist es ja auch gleichzeitig eine große Freude und auch ihre Bestimmung, die Steine an einen passenden Ort in den Dörfern zu legen. Und wie spannend, den Stein irgendwann einmal wieder zu sehen und zu träumen, welche Wege er wohl genommen hat, durch wen er gefunden wurde und wieder versteckt, und welche Orte er verschönert hat. Ein kleines Denkmal der Lebensfreude und des Schönen in der Welt ist das.

Eigentlich ist es erstaunlich, dass gerade Steine unsere Fantasie beflügeln und uns zum Träumen bringen können. Sind sie doch hart, manchmal kantig und rau, liegen schwer in der Hand. Aber sie sind auch nahezu unvergänglich, ein wertvoller Baustoff und ein nützliches Werkzeug. In der Bibel begegnen uns viele Geschichten, in denen Steine vorkommen. Welche fallen Ihnen ein?

Eine Geschichte zum Träumen möchte ich erzählen:

Jakob unterschied sich sehr von seinem Bruder. Auch wenn Jakob als Zwilling nur etwas jünger war als Esau, so war er doch derjenige, der auf die Rechte des Erstgeborenen verzichten sollte: Auf den Segen des Vaters und auf das Erbe. Doch es kam anders. Als Jakobs Vater Isaak im Sterben lag, gab seine Mutter Rebekka ihrem Sohn die entscheidenden Tipps für eine Intrige. Es gelang Jakob, vom Vater gesegnet zu werden. Und einen Segen kann man nicht zurücknehmen. Esau war ausgebootet worden und wollte Jakob nach dem Tod des Vaters heimzahlen, was er mit ihm gemacht hatte. Jakob musste fliehen.

Der Weg war lang und beschwerlich, vor allem ganz allein. In einer Nacht schlief Jakob auf freiem Feld. Sein Kopfkissen war ein Feldstein.

Manchmal ist es, als läge man mit seinem Kopf auf einem Stein. Und klagt darüber. Und ist unzufrieden. Und hat selbst einen Anteil an der eigenen Situation, hat einen Fehler gemacht, ist nicht verantwortungsvoll mit Menschen umgegangen… Und in diesen Nächten, in denen es sich anfühlt, als gäbe es nie mehr Entspannung für die schmerzenden Knochen und den steifen Nacken, als gäbe es keine Gnade, da geschieht etwas Wunderbares.

Jakob liegt auf dem unbequemen Stein. Er ist voller Angst und so betet er zu Gott. Und dann hat er einen wunderbaren Traum. Jakob träumt von einer Leiter, die bis in den Himmel reicht. Auf der Leiter sieht er leuchtende Wesen und an ihrem Ende erscheint Gott, der Herr. Er sagt zu ihm: Das Land, auf dem du liegst, will ich dir und deinen Nachkommen geben. Sie werden so unzählbar sein wie der Staub auf der Erde. Ich werde dir beistehen. Ich beschütze dich, wo du auch hingehst, und bringe dich wieder in dieses Land zurück. Ich lasse dich nicht im Stich und tue alles, was ich dir versprochen habe.

Jakob wacht auf und richtet den Stein auf, auf dem er geschlafen hatte. Er weiht den Stein mit kostbarem Öl zu einem Gedenkstein. Und er spürt, dass er Gott einen Moment lang ganz nah gewesen ist.

Gott ist gnädig. Er kommt uns nahe. Er verwandelt uns.Und er schenkt uns neue Wege.

Gott, ich danke dir.

Du bist mein Fels in der Brandung.

Du bist meine Burg.

Du bist ewig, du bleibst an meiner Seite.

Du räumst Steine aus dem Weg,

damit meine Füße nicht dagegen stoßen.

Du machst den Weg frei.

Gott, ich danke dir.

Amen.

 

Was macht eigentlich…

Hören, sehen und vielleicht auch staunen: Menschen aus unserer Kirchengemeinde schnacken über Gott und die Welt. Ab jetzt immer mittwochs auf der Homepage der Kirchengemeinde und auf facebook und instagram. Nach Birla Bublat ist diese Woche Susanne Detjen zu sehen. 

Was macht eigentlich... Susanne Detjen?

Kirchenkreis geht auf Sendung

Der Kirchenkreis Bremervörde-Zeven lädt ein, Andachten im Internet jeden Mittwoch und Freitag und am Sonntag einen Gottesdienst mitzufeiern. Auf der Homepage unserer Kirchengemeinde www.kirche-selsingen.de findet sich ein Link zur aktuellen Andacht bzw. zum Gottesdienst oder unter der Telefonnummer 04761-86 69 88 0. 

Sarina Alpers
Tel.: 04284 396