Sonder-Kontakt Nr. 43

Nachricht Selsingen, 15. Juni 2021

Liebe Leserin, lieber Leser,

Wer am Samstagnachmittag Fußball geguckt hat, den hat nicht das EM-Spiel, sondern der Kampf um ein Leben mitten ins Herz getroffen. Während der Partie Dänemark gegen Finnland kollabierte der Spieler Christian Eriksen auf dem Platz und blieb regungslos liegen. Helfer:innen begannen sofort mit lebensrettenden Maßnahmen. Eriksen wurde nach 15 Minuten ins Krankenhaus gebracht. Mittlerweile befindet er sich auf dem Weg der Besserung. Die Spieler der eigenen Mannschaft schirmten Eriksen von den Kameras ab, indem sie einen Kreis um das Geschehen bildeten. In den Gesichtern der Menschen im Stadion zeichneten sich Schock und Sorge ab. Einige weinten, einige umarmten einander, gaben sich Halt. Alle hofften und bangten. Der Instagram-Account von Christian Eriksen füllte sich zeitgleich mit Botschaften: Bitte steh auf! Gott, bitte hilf ihm! Bleibe bei uns! Du schaffst es! Jede:r wusste natürlich, dass Eriksen das in diesem Moment gar nicht erreichen kann. Aber die Menschen brauchten einen Ort, um ihm gut zuzureden. Und nicht nur mit ihm haben sie gesprochen: Wie viele Gebete wird es wohl gegeben haben in diesen Minuten?

Mir fiel es schwer, mich vom Fernseher zu lösen. Die Ungewissheit und Sorge nahm mich in die Zange. Wie erleichtert war ich, als ich eine Stunde später im Radio die Nachricht hörte, Eriksen sei wach und ansprechbar. Eine Geschichte mit Happy End.

Mich beeindruckt, wie groß die Anteilnahme an solch einem Ereignis ist. Jemand aus der Familie Mensch kämpft um sein Leben und wir haben daran durch den Anlass eines Fußballspiels Anteil, ob wir wollen oder nicht. Es ist ein Zeichen für unsere Menschlichkeit, für unsere Empathie und es zeigt uns, dass wir miteinander verbunden sind. Gleichzeitig denke ich an die Menschen, deren Leid uns verborgen bleibt. Für manches tragen wir auf irgendeine Weise auch dadurch Verantwortung, wie wir leben, was wir konsumieren, wie wir die Macht einsetzen, die uns zur Verfügung steht. Ich denke an die, die es nicht schaffen, weil kein Retter in der Nähe ist. Ich denke an die, die einen lieben Menschen verloren haben und an die, die von niemandem vermisst werden.

Mich bewegt auch, dass die Menschen in solchen Momenten zurückgeworfen werden auf das Leben an sich. Alles andere ist Bonusmaterial, bedeutungslos. Die Funktionstüchtigkeit, die Gesundheit unseres Körpers (und der Seele) ist die Grundlage unseres Lebens. Gott hat ihn uns geschenkt und anvertraut. Wie wichtig ist es, dass wir ihm Beachtung und Fürsorge schenken.

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel: Es geht weiter. Die EM geht weiter. Unser Leben auch. Was machen wir damit? Ich möchte in den nächsten Tagen beherzigen: Sei dankbar für dein Leben, deinen Körper, deine Seele. Sei dankbar für die Möglichkeiten, die du hast. Sei Gott dankbar für die Zeit, die er dir gegeben hat. „Meine Zeit steht in deinen Händen.“ (Psalm 31,16). Und als ich darüber nachdenke, was mir Gott mit dieser Erfahrung von der Zerbrechlichkeit des Lebens wohl noch schenken will, ploppt auf dem Profil einer Bekannten ein Spruch auf: „Meine Oma hat mal zu mir gesagt: Jeder, den du kennst, wird einmal seinen letzten Tag mit dir haben, ohne es zu wissen.“ Die Begegnungen mit Menschen sind Geschenke und einzigartig für den Moment. Es lohnt sich, ganz beim anderen zu sein und das Wir zu genießen, wann immer es möglich ist.

Herzliche Grüße, Sarina Alpers

Gebet für diese Woche

Treuer Gott,
wir danken dir.
Die Schöpfung lebt von deinen Gaben.
Mit deinem Atem gibst du ihr das Leben.
Mit deiner Liebe gibst du ihr das Ziel.
Mit deinem Wort gibst du ihr deine Nähe.

Wir bitten dich um deinen Atem
für die Kranken und
für alle, die sich fürchten, krank zu werden,
Wir bitten dich um deinen Atem
für die bedrohte Schöpfung,
für die ausgeplünderten Länder und alle, die sie bewohnen.
Schenke deinen Atem und erbarme dich.

Wir bitten dich um deine Liebe
für unsere Kinder und
für alle, die sich in diesen Monaten mit Sorgen aufreiben.
Wir bitten dich um deine Liebe
für die Menschen, die über andere bestimmen und
für alle, die ihre Kraft für andere einsetzen.
Schenke deine Liebe und erbarme dich.

Wir bitten dich um dein Wort
zu den Ratlosen und zu den Suchenden,
zu allen, die von Zweifeln geplagt werden.
Wir bitten dich um dein Wort
zu deiner weltweiten Kirche,
zu unserer Gemeinde und
zu allen, die nach dir fragen.
Gib uns dein Wort und erbarme dich.

Treuer Gott,
wir danken dir.
Deine guten Gaben lassen uns leben.
Sei allen nahe, die wir lieben.
Sei allen nahe, die uns anvertraut sind.
Sei uns nahe in dieser Zeit.
Durch Jesus Christus loben wir dich
und bitten dich: Erbarme dich. Amen.

(Wochengebet der VELKD)

75 Jahre Lagerkirche

Die Lagerkirche ist in diesem Jahr 75 Jahre alt geworden. Religiöses Leben gab es auch im ehemaligen Kriegsgefangenen- und KZ-Auffanglanger. Gemeinsam mit der Gedenkstätte Lager Sandbostel laden wir zu zwei Vortragsabenden in der ehemaligen Lagerküche auf dem Gelände der Gedenkstätte herzlich ein:

29. Juni, 19 Uhr: Religiöses Leben (Andreas Ehresmann)

06. Juli, 19 Uhr: Lagerkirche (Manfred Thoden)

 

Gottesdienste in unserer Gemeinde

Am 20. Juni laden wir zu einem Open-Air-Gottesdienst mit Diakonin Edda Nolte und Pastor Manfred Thoden ein! Um 11 Uhr findet der Gottesdienst auf dem Innenhof und der Wiese hinter dem Gemeindehaus statt. Bitte bringen Sie einen Zettel mit Ihren Adressdaten, einen Mund-Nasen-Schutz und – wenn möglich – eine Sitzgelegenheit mit! 

Auf YouTube sind wir unter „St. Lamberti-Kirchengemeinde“ zu finden.

Telefonandacht

Unter der Telefonnummer 04284 - 514 99 88 können Sie jeden Tag eine Geschichte oder einen Impuls für den Tag hören. Es wechseln sich Mitglieder des Kirchenvorstands und hauptamtlich Mitarbeitende ab.

Geöffnete Kirche

Die St. Lamberti-Kirche ist für Ihren Besuch geöffnet. Wenn Sie wochentags zwischen 10 und 11:30 Uhr und am Donnerstag zwischen 16 und 17:30 Uhr im Gemeinde-Büro vorbeikommen, können Sie für Stille und Gebet in die Kirche hinein. Bitte bringen Sie eine Mund-Nasen-Bedeckung mit.

Sarina Alpers
Tel.: 04284 396