Suchet der Stadt Bestes

Nachricht Selsingen, 24. September 2020

 

Suchet der Stadt Bestes 
und betet für Sie zum Herrn; 
denn wenn es ihr wohl geht, 
so geht's auch euch wohl.

Liebe Leserin, lieber Leser,

Mit dem Monatsspruch für den Monat Oktober grüße ich Sie herzlich. Wenn ich Sie mit dieser Andacht um eine Sache bitten darf, dann dass Sie nun eine kurze Pause machen, um für den Ort, an dem Sie leben zu beten. Beten Sie z.B. für Ihren Bürgermeister, für die Politiker im Gemeinderat oder Kreis- oder Bundestag. Sagen Sie in einer stillen Minute einfach: „Gott, ich danke dir für… und bete, dass Du sie segnest.“

- Pause für ein Gebet. - 

Für dieses Gebet danke ich Ihnen herzlich, beten Sie doch immer wieder für diese Menschen, die ihre Zeit und ihre Kraft einsetzen für das Dorf oder die Stadt, in der Sie leben. 

Den Vers oben schreibt der Prophet Jeremia aus Jerusalem an seine Freunde im fernen Babel. Gewaltsam sind sie dorthin verschleppt worden. Nun sind sie seit vielen Jahren körperlich in der Fremde. Aber ihre Herzen sehnen sich nach der alten Heimat und nach der alten Zeit. „Wann wird es endlich wieder wie früher? Wann kommen wir zurück nach Jerusalem?“ Mit diesem Brief leitet Jeremia eine Wende für die Vertriebenen ein. Er sagt: „Baut in Babel Häuser. Legt Gärten an. Findet Freunde. Suchet der Stadt Bestes.“ Seine Freunde fordert Jeremia damit auf, sich von der Sehnsucht nach Hause zu verabschieden. „Lebt auch mit ganzem Herzen dort, wo ihr mit dem Körper seid. Arrangiert euch nicht nur mit der Situation, sondern investiert euch in die Gemeinschaft am neuen Ort.“

Diese Aufforderung von Jeremia findet sich immer wieder in der Bibel. Wenn jemand in eine neue Situation kommt, gibt es eine Aufforderung, die dieser hier gleicht. Als Menschen aus Babel nach Jerusalem heimkehren, macht das der Prophet Esra. Später für die junge Christengemeinde in Rom der Apostel Paulus: „Lebt mit Gott am neuen Ort und investiert in die neuen Beziehungen.“ Als ich einmal für fünf Jahre bei der Studentenmission in Deutschland gearbeitet habe und dafür umgezogen war, sagte mein damaliger Chef: „Leb in Marburg so, als ob du nicht wieder wegziehen würdest.“ Warum sagen Menschen das? – Na, weil Jesus Christus eben an dem Ort bei uns ist, an dem wir leben. Er sagt: „Ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Welt.“ Nicht nur in der alten Heimat – auch in der neuen. Nicht nur in der vergangenen Zeit – auch heute. 

Diese Aufforderung am neuen Ort und in der neuen Zeit zu leben hat eine Verheißung. Jeremia sagt es so: „Denn wenn es der Stadt wohl geht, so geht's auch euch gut.“ Gern höre ich die kurze Form, die mein geschätzter Kollege manchmal sagt: „Wenn es deinem Nachbarn gut geht, geht es dir auch gut.“ Wir leben als Menschen in einem Ort miteinander. Wenn ich mir von einem Nachbarn eine Heckenschere ausleihen kann, ist das eben viel besser als Briefe vom Anwalt öffnen zu müssen. Ein Tischler hier aus der Gegend beschreib das so: „Früher haben wir Tischler einer mit dem anderen in Konkurrenz gestanden. Heute wissen wir: wir können nicht ohne den Kollegen auskommen.“ Und ich vermute, dass Gastwirte oder Landwirte oder der Einzelhandel es auch so sagen könnten: „Wenn es meinem Nachbarn gut geht, geht es mir auch gut.“ 

Für Ihre Aufmerksamkeit danke ich und wünsche Ihnen, dass Sie erfahren, wie das stimmt: "Suchet der Stadt Bestes und betet für Sie zum Herrn; denn wenn es ihr wohl geht, so geht's auch euch wohl." 

Ihr Pastor Markus Stamme 

Markus Stamme