Sonder-Kontakt Nr. 6

Nachricht Selsingen, 09. April 2020

Der Frühling macht die Musik.

Es beginnt vor fünf Uhr mit der Amsel. Dann folgen die Meisen und Finken und bevor es taghell ist, rufen die Hühner und wollen aus dem Stall.

Es sind so viele Melodien, die der Frühling in seinem Repertoire hat. So auch viele unscheinbare Geräusche, wie z.B. das Summen der Bienen und Hummeln im Garten in den ersten Blüten. Z.B. den Blüten des Buchsbaums. 

Manchmal hat man an diesen Tagen das Gefühl, dass man selbst die Blätter und Blüten hört, während sie sich öffnen und zur Entfaltung bringen. 

Auch der Vertikutierer spielt nun sein Lied, der Rasenmäher oder die Hilti. In diesen Tagen stärker noch als sonst. Ich fühle mich an Reinhard Mey´s „Frühlingslied“ erinnert: „Männer im Baumarkt“. Wie gesagt, der Frühling ist voller Musik. 

Die Kirchen auch. Eigentlich. Doch jetzt in der Passionszeit kommen sie mit einer reduzierten Liturgie daher. Nicht nur wegen der Corona-Pandemie. Passionszeit ist Fastenzeit ( … in diesem Jahr also im doppelten Sinne). Wir verzichten auf Halleluja-Gesänge und -strophen. Manche Gemeinden verzichten zudem, anknüpfend an alte Tradition(en), auf alle Instrumentalmusik im Gottesdienst; Lieder und liturgische Gesänge werden einstimmig und unbegleitet gesungen. Im Gottesdienst wird es stiller. Dieser reduzierten Liturgie, in der Jesu Leidensweg sinnfällig wird, steht eine Fülle von Kompositionen gegenüber, deren Thema Jesu Passion ist: Chormotetten, Orgelchoräle, Kantaten, Oratorien. Große Musik, kein Verzicht auf Instrumente! Auch diese Form, Jesu Leiden und Sterben als kunstvolle Beziehung von Wort, Ton, Klang wahrzunehmen, gehört in die Liturgie (nicht nur ins Konzert). In nur wenigen Tagen, an Ostern, wird sich die Musik erneut verändern. Ein neuer Soundtrack kommt des Weges und reiht sich dann ein in die Frühlingsmusik. Jede Jahreszeit und Kirchenzeit bietet einen ganz eigenen Soundtrack. Eigene Ohrwürmer. Welches Lied singen Sie/singst du in diesen Tagen? Was ist der Soundtrack deines Lebens, fragt der Frühling.

An einem ganz anderen Ort wird in diesem Frühling ebenso überhaupt nicht mehr gesungen. Ein Ort, der ansonsten voll ist von Trommeln, Klatschen, Pfeifen und Fan-Gesang. Der Fußballplatz. Das Stadion. Gähnende Leere. Nichts mehr zu hören. Auch mit Ostern wird sich das nicht verändern. Ein Fan-Gesang jedoch bleibt. Genauso wie das Hallelujah in den Gottesdiensten, das nur ausgesetzt aber nicht abgesetzt ist.

You´ll never walk alone!

Ich bin kein wirklich guter Fußballer. Das steht (leider) außer Frage. Aber ein leidenschaftlicher Fußballer allemal. Die Punktspiele, die Begegnungen und Rituale am Freitagabend während der Saison sind mir heilig. Diese Abende bestreite ich als Spieler der SG Geeste/Oste I. Mir fehlen diese Freitagabende. Als Fußballer hat mich deshalb die Aktion des niederländischen Radiomoderatoren Sander Hoogendoorn bewegt, der für Freitag, den 20. März, um 8.45 Uhr dazu aufrief, die Fußballhymne „You´ll never walk alone“ in allen Radiostationen Europas zeitgleich zu spielen. Eine Hymne mit Botschaft wie gemacht für diese Tage und Wochen und im Besonderen für die Menschen, die ganz konkret betroffen sind und sein werden. Für die Kranken und damit sind bei weitem nicht nur die mit Corona Infizierten gemeint. Für die Alten. Für das Personal im Gesundheitswesen. Für Solo-Selbständige und kleine Unternehmen und deren Angestellte. Für Kassierer*innen usw. Für all jene also und nicht zuletzt für dich, Sie und mich ist diese Hymne. Ganz gleich, wie man es mit dem Fußball hält. Hier ist die deutsche Übersetzung:

Wenn du durch einen Sturm gehst 
Geh erhobenen Hauptes 
Und habe keine Angst vor der Dunkelheit 
Am Ende des Sturms 
Gibt es einen goldenen Himmel 
Und das süße, silberhelle Lied einer Lerche 
Geh weiter, durch den Wind 
Geh weiter, durch den Regen 
Auch wenn sich alle Deine Träume in Luft auflösen 
Geh weiter, geh weiter, mit Hoffnung in deinem Herzen 
Du wirst niemals alleine gehen 
Geh weiter, geh weiter, mit Hoffnung in deinem Herzen 
Du wirst niemals alleine gehen

Für mich ist diese Hymne aber noch viel mehr. An jenem Freitagmorgen im Auto traf dieser Fangesang aus Liverpool auf meine eigenen Fragen, meine Ängste und meinen Blick in diese Gesellschaft und diese Zeit. „You´ll never walk alone“. Kurz: YNWA. So singen die Fans des FC Liverpool an der Anfield Road dem Team, den „Reds“, und sich selbst Mut zu. Hier ist der Song, der 1963 erstmalig von Gerry & the Peacemakers gecovert wurde, zuhause. Nirgendwo sonst singt man ihn leidenschaftlicher und inbrünstiger als in der Arbeiterstadt am Mersey River. Ich nehme ihn nun mit als Ohrwurm, als Soundtrack für diese Zeit, dessen Zeilen so gut zu dem passen, was Gott als Botschaft für dich, Sie und mich nicht besser sagen könnte in diesen Tagen: Du bist nicht alleine unterwegs. Niemals. Habe keine Angst vor der Dunkelheit. Am Ende des Sturms gibt es einen goldenen Himmel.Und diesen Spruch packe ich noch dazu: „Ich bin das Licht der Welt, wer mir nachfolgt, wird nicht wandeln in der Finsternis …“. Das sagt nicht etwa der exzentrische Fußballer Zlatan Ibrahimovic (obwohl es zu ihm passen würde). Jesus sagt das. Und ergänzt: „… sondern wird das Licht des Lebens haben.“ (Die Bibel, Johannes im 8. Kapitel, Vers 12).

Am Freitag nach Ostern hätte ich eigentlich ein Punktspiel gehabt. Zur Anstoßzeit, um 19.30 Uhr, werde ich nun stattdessen auf den Platz in Basdahl gehen und spiele dort laut „You´ll never walk alone“ ab, zünde eine Kerze an und erinnere Jesus im Gebet an seine Zusage für dich, Sie und mich. Und vielleicht mache ich das jetzt jeden Freitag.

Michael Freitag-Parey, Gedenkstätte Lager Sandbostel

Gebet

Jesus Christus,
du bist das Licht der Welt.
Dein Licht erhellt die Dunkelheit und wir erkennen:
Wir sind mit unserer Angst nicht allein.
Wir sind nicht alleine unterwegs,
auch wenn die Sorgen dieser Tage ein ganz anderes Bild zeichnen
und sich Träume in Luft aufzulösen scheinen.
Du bleibst das Licht der Welt.
Wir danken dir, dass dein Licht hinein leuchtet
in unsere Fußballsparte, in unseren Verein mit seinen vielen Sparten und Angeboten,
in unsere Familien, in unseren Freundeskreis und unsere politische Gemeinde und Kirchengemeinde.
Dein Licht will uns den Weg zeigen zu einem Leben in Freiheit, Hoffnung, Wahrheit und tätiger Solidarität.
Wir bitten dich,
lass dieses Licht nicht ausgehen. Lass es heller scheinen denn je in dieser Zeit.
Lass uns so viel von diesem Licht in uns tragen,
dass auch wir zum Licht der Welt werden können,
um uns selber und anderen ein Licht sein zu können, so dass für alle klar ist: Du wirst niemals alleine gehen, Mensch – You´ll never walk alone!
Amen. 

Klopapier-Training

Was schon mit dem Fußball keine ganz einfache Aufgabe ist, wird mit der Klopapierrolle nicht leichter. Um was geht es? Nimm dir eine Klopapierrolle und versuche diese so oft es geht mit deinem starken rechten oder linken Fuß hochzuhalten. Oder abwechselnd. Am besten nicht in der engen Küche oder im Wohnzimmer, sondern draußen im Garten oder vor der Garage. Ab geht´s. Wenn du es nicht so mit den Füßen hast, wähle stattdessen deinen flachen Handrücken und versuche die Klopapierrolle damit so oft es geht hochzuhalten. Wie viele Male schaffst du es, die Klopapierrolle hintereinander hochzuhalten? Versuchs. Hey, und lade vielleicht noch einen Freund oder eine Freundin ein, mitzuspielen und/oder eine Spielerin oder einen Spieler eines anderen Teams in deiner Liga.

Hier auf #stayathomechallenge kannst du sogar einen deiner gelungenen Versuche als kleinen Clip einstellen. Zudem kannst du dir hier ansehen, wie es die Profis machen. Übrigens war es Jerome Boateng vom FC Bayern, der diese Challenge begonnen hat.

Und noch was: Wie wäre es, wenn du uns deinen besten Versuch als Clip zukommen lässt? 

Alles über 15x kommt in die Wertung. Wir sammeln bis Ostermontag. Die Gewinnerin oder der Gewinner bekommt Hamburger oder Pizza „frei Haus“.  

Deine Clips an diese E-Mail: m.freitag-parey@stiftung-lager-sandbostel.de

Tipps zu „You´ll never walk alone“

  • Lesen 1: Die Bibel: Johannes, Kapitel 12, Vers 8
  • Lesen 2: Die Geschichte der Emmausjünger ist eine wunderbare „You´ll never walk alone“-Geschichte. Lesezeit: unter 5 Minuten. Wirkung: Vielleicht für immer! Hier findest du sie: Die Bibel: Lukas, Kapitel 24, Verse 13 - 35

Osterkerzen für zu Hause

Vor der kleinen Kirchentür in Selsingen und auch vor der Lagerkirche in Sandbostel steht von 10:00-18:00 Uhr eine Kiste mit Osterkerzen zum Mitnehmen. Dabei liegt ein Andachtstext für eine kleine Osterandacht zu Hause. Holen Sie sich gerne für sich und andere dort ab. Wir laden Sie ein, beim häuslichen Osterfrühstück diese Kerze zu entzünden und die Texte auf der Karte zu lesen.

Kirchenkreis geht auf Sendung

Der Kirchenkreis Bremervörde-Zeven lädt ein, Andachten und Gottesdienste im Internet jeden Mittwoch und Freitag mitzufeiern. Auf der ersten Seite unserer Homepage findet sich ein Link zur aktuellen Andacht. Die nächsten Termine sind: 8. April, Pastor Schäfer aus St. Liborius, Bremervörde, Karfreitag: Diakonin Edda Nolte aus der St. Lamberti-Kirchengemeinde Selsingen, Ostersonntag: Pastor Andreas Beneke aus der St. Gallus-Kirche Rhade.

Wir sind für Sie da

Pastor Markus Stamme: 04284-1397
Pastor Manfred Thoden: 04284-567
Diakonin Sarina Alpers: 04284-396
Diakonin Edda Nolte: 04284-476 00 84
Margret Beeh im Kirchenbüro: 04284-353
Petra Loomans (Kirchenvorstand): 04284-927 624

Vielen Dank an den Autor dieser Ausgabe: Michael Freitag-Parey, Diakon und Friedenspädagoge in der Gedenkstätte Lager Sandbostel. Er ist telefonisch zu erreichen unter: 0152-31739378

Michael Freitag-Parey
Tel.: 04764-2254810